Die Schönbacher Hütte
Neben Ingeborg Seyfert (1) gibt den detailliertesten Einblick in die Geschichte der Schönbacher-Hütte Dr. Reinhard Haller (2). Auf ihn bezieht sich der untenstehende kurze Abriss zur Geschichte dieser Spiegel-Glashütte, denn diese wurden dort hauptsächlich hergestellt.
Am 29.04.1829 meldete Emanuel von Lenk, Besitzer einer Judenmaß-Spiegelfabrik in Charlottental bei Schönau, Landgericht Neunburg vorm Wald/Oberpfalz, den Wunsch zur Errichtung einer Glashütte beim Hochfall in dem Drachselsrieder Gemeindeteil Oberried an. (Emanuel Ritter von Lenk von Dittersberg wurde am 15.12.1783 in Schönwald als Sohn des Johann Georg Lenk und der Maria Franziska Altmann aus Cham geboren)
Am 16.04.1832 konnte er die Eröffnung seiner Spiegelhütte, der er wegen des vorbeifließenden Waldbaches den Namen „Schönbacher-Hütte“ gab, verkünden und die Glasproduktion begann.
24.04.1832 wird der Herrschaftsrichter Heinrich Gareis von Winklarn/Oberpfalz Teilhaber und übernimmt Schönbach gegen Ende des Jahres ganz. Gareis besaß auch die Spiegelglaspolierfabrik Rosenthal, von wo auch die meisten Arbeiter für Schönbach kamen. Weil er oft unabkömmlich war, ließ er sich meist durch seinen Sohn, den königlichen Advokaten Dr. Gareis von Viechtach, später von Deggendorf, vertreten.
Als Verwalter (Faktor) der Schönbacher Glashütte sind Franz Markus Willinger, ab 1841
Karl Schmid aus Winklern, 1846 Joseph Mack aus Krummau, ab 1852 Friedrich Göß aus Würtemberg, 1884 Joseph Schmid.
1833 waren 80 Arbeiter beschäftigt, 28 in der Glashütte selbst.
1844 starb Heinrich Gareis und seine Erben verkauften am 24. Mai an Andreas Wilhelm Müller aus Nürnberg. Geschäftsführer und Inhaber der Schönbacher Glashütte wurde unmittelbar nach Vertragsabschluß sein Sohn, Hermann Müller, wenngleich er erst am 26.08.1846 die Konzession für den Betrieb erhielt.
Am 23.06.1868 verkaufte er die Glashütte in Schönbach an den Spiegelglasfabrikanten Franz Schrenk von Lohberg. (Als Sohn des Wenzel Schrenk 1816 in Fichtenbach in Böhmen geboren, kam Franz Schrenk mit seinem Vater nach Lohberg. Er pachtete mehrere Hütten, so 1853 die Kellermayersche Hütte zu Lohberg und baute 1863 das Schleif- und Polierwerk Alt-schrenkenthal bei Lam.)
Am 19.09.1874 wurde die Firma Schrenk in eine „offene Gesellschaft“ umgewandelt. Seine Kinder verwalteten den Besitz: Joseph (1845 – 1887) Schönbach, Anton (1847 – 1912) Lohberg, Wenzel (1849 – 1905) Eisendorf in Böhmen und der Schwiegersohn Karlbach in Böhmen. 1879 starb Franz Schrenk.
Nach und nach kam die Schönbacher-Hütte durch den Verfall der Glaspreise und den umständlichen und kostspieligen Betrieb am Ort in immer größere wirtschaftliche Schwierigkeiten, bis Schrenk im Herbst 1893 die Öfen auslöschte und kalt werden ließ.
Am 01.07.1894 erfolgte die gänzliche Betriebseinstellung in Schönbach und am 10.05.1895 verkauften die Schrenks Schönbach an Anton Fuchs, ein Glasmacher-Obergeselle in Schönbach, geboren in Sophienhütte bei Taus in Böhmen, der noch eine zeitlang Holzwaren herstellte
(1) Seyfert, Ingeborg: Drachselsrieds gläserne Vergangenheit. In: Der Bayerwald; 67. Jg.1975 / Heft 2; S. 73-78.
(2) Haller Reinhard, Dr.: Historische Glashütten in den Bodenmaiser Wäldern, Grafenau 1981; Hrsg. JOSKA-Glaskunstwerkstätten Bodenmais, S. 56 – 93
Haller: S. 87 ff:
„Sowohl Lenk als auch Gareis, und nach ihnen Müller und Schrenk holten sich die Arbeiter aus der Oberpfalz und aus Böhmen. Obwohl das Glasmacherreglement Kaiserin Maria Theresias vom 5.10.1767 — an dessen Entstehung übrigens ein Johann Thomas Lenk beteiligt war — erst 1835 aufgehoben wurde, waren in Bayern und vor allem in Schönbach laufend böhmische Glasmacher mit ihren Familien eingewandert. Dies beweist ein Einwohnerverzeichnis vom 5. März 1833, in welchem alle Schönbacher Glasmacherfamilien erfasst wurden. Damals waren auf der Hütte:
| Name | Vorname | Herkunft/Kommentar |
| Benno | | Glasmacher |
| Dirscherl | Andre | Geb. 1802 in Schwarzenbach, erzogen auf der Kesselhütte bei Waldmünchen, Sohn eines Glasarbeiters, 25 Jahre inBayern, gehei- ratet in Hof am Regen, 1 Kind |
| Dirscherl | Joseph | Geb. in Schwarzenbach, Böhmen, 24 Jahre in Bayern, geheiratet in Charlottenthal, 1 Kind |
| Feldigl | Baptist | Geb. in der Grafschaft Mähren, 12 Jahre in Bayern, ledig |
| Girtl | | Glasmacher |
| Grundl | Johann | Geb. in Lobkowitz, Böhmen, 31 Jahre in Bayern, 8 Kinder |
| Grundl | Johann, sen. | Geb. in Waldthurn, Sohn eines Glasarbeiters zu Goldbach in Böhmen, 65 Jahre alt. 8 Kinder, 31 Jahre in Bayern, keine Legitimation |
| Hausladen | Heinrich | Glasmacher aus Herzogau, Oberpfalz |
| Kastl | Georg Johann | Geb. in Eisendorf, Böhmen, seit 6 Jahren in Bayern, geheiratet in Johanneshütte, 4 Kinder, Haus in Böhmen |
| Koßl | Joseph | 37 Jahre alt, heiratete Salome Magg auf der Johanneshütte in Böhmen, Muttersdorfer Herrschaft, besitzt ein Häusl auf der Witters- berger Hütte, seit 6 Jahren in Bayern |
| Leitl | Michl | Geb. in Plöß, Böhmen, 1 Jahr in Bayern, 6 Kinder |
| Liedl | Joseph | Geb. in Zenching, Bayern, ledig |
| Müller | Johann | Geb. 1788 in Aberlhütten Böhmen, 12 Jahre in Bayern, 6 Kinder |
| Nachtmann | Christian | Geb. 1804 in Johanneshütte, seit 25 Jahren in Bayern, ledig |
| Nachtmann | Joseph | Geb. auf der Karlbach-Hütten in Böhmen, Sohn eines Glasmachers, 63 Jahre, Witwer, 8 Kinder, 26 Jahre in Bayern, geheiratet in Kollerkirchen in Böhmen, keine Legitimation |
| Nachtmann | Christoph II | 33, geb. auf der Kesselhütte, gegenwärtig mit seinem Vater Joseph Nachtmann und seiner Schwester Barbara in Schönbach, seit 24 Jahren in Bayern |
| Stark | Joseph | Geb. 1804 in Hirschfeld, Böhmen, 29 Jahre in Bayern, ledig |
| Strohmeier | Johann | Glasmacher aus Böhmen |
| Weber | | Schürer aus Eisenstein |
| Willinger | Franz Markus | Faktor, geb. in Wezhouz, Böhmen, seit 9 Jahren in Bayern, ledig |
| Zeug | Georg | Geb. in Strasshütten, Böhmen, 1 Jahr in Bayern |
Matrikeleinträge der Schönbacher Hütte
Geburten auf der Schönbacher Hütte
Heiraten auf der Schönbacher Hütte
Gestorbene auf der Schönbacher Hütte
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